Foto: Jonas Kyora

Die Unis in Trier, Köln, Saarbrücken und Leipzig haben alle eines gemeinsam, sie sind Fairtrade-Universitäten – oder wie im Kampagnenjargon mit modernem Anglizismus: Fairtrade-Universities. Mit diesem Titel dürfen sich all die Hochschulen schmücken, die vom Verein TransFair, Deutschlands bekanntester Fairtrade-Organisation, ausgezeichnet werden. Dort können sich nicht nur Unis, sondern auch Schulen und ganze Städte um das Fairtrade-Siegel bewerben. Jeweils fünf unterschiedliche Kriterien müssen dafür erfüllt werden: Natürlich gehört dazu, dass auf Marktplatz, Schulhof oder Campus fair gehandelte Produkte verkauft werden. Durch Veranstaltungen zum Thema soll aber auch die Bekanntheit von Fairtrade gesteigert werden.

Wie streng sind die Kriterien?

Bekommt man also, wenn man in Leipzig oder Trier in der Mensa zum Mittag isst nur fair gehandelten Reis auf den Teller? Und in Saarbrücken zwangsläufig fair gehandelten Kaffee in den (Mehrweg-)Becher? Nein, ganz so umfassend sind die Kriterien für das Siegel nicht. Angenommen, die Uni Halle wollte Fairtrade-Uni werden, dann könnte Kaffee theoretisch ein Produkt von vielen bleiben, das konventionell gehandelt wird. Denn an Unis mit 20 000 Studierenden müssen zehn Verkaufspunkte jeweils mindestens zwei fair gehandelte Produkte anbieten. Zehn Verkaufspunkte klingt zunächst viel – wenn man aber bedenkt, dass das Studentenwerk acht Cafébars und Mensen betreibt, wird deutlich, dass nicht mehr viele andere Geschäfte von Fairtrade überzeugt werden müssten. Und sind zwei Produkte im Sortiment eigentlich eine große Veränderung?

Ulrike Eichstädt ist die Koordinatorin der Projektgruppe Fairtrade Halle – denn seit 2015 trägt auch die Saalestadt das Siegel »Fairtrade-Town«. Sie glaubt, dass die Kriterien für Universitäten streng genug sind: »Wenn man all diese Voraussetzungen an der Uni umsetzt, hat man schon sehr viel erreicht«, sagt sie. Außerdem sei das Siegel eine gute Möglichkeit, das Thema globale Gerechtigkeit stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. »Fairer Handel ist dabei auch nur ein Aspekt von Globaler Gerechtigkeit, das betonen wir in dieser Diskussion immer wieder«, erläutert Eichstädt weiter.

Fairtrade-Gedanke im Osten unterrepräsentiert

Dass die Diskussion um fairen Handel und Gerechtigkeit vor allem im Osten Deutschlands mehr Aufmerksamkeit benötigt, zeigt ein Blick auf die Karte der Fairtrade-Städte, -Schulen und -Unis auf fairtrade-towns.de : Dort sind die alten Länder fast völlig von Fairtrade-Fähnchen bedeckt, während in Sachsen-Anhalt grade einmal sechs Einrichtungen überhaupt das Siegel verliehen bekommen haben. »Wir erfahren bei dem Thema globale Gerechtigkeit noch keine überbordende Resonanz«, erzählt Ulrike Eichstädt. »Wir haben hier im Osten, was das angeht, noch einen weiten Weg vor uns, häufig stehen Spar­zwänge vor dem Blick über den Tellerrand.«

Wäre eine Fairtrade-Uni Halle also ein besonders wirksames Zeichen aus den neuen Ländern, für mehr Globale Gerechtigkeit? Die Nachbar-Uni in Leipzig ist bereits seit 2015 mit dem Siegel ausgezeichnet. Dort ist nach vielen Wechseln in der Projektgruppe erneut Bewegung in das Thema Fairtrade gekommen. »Viele Studierende sind sich gar nicht bewusst, dass die Uni Leipzig Fairtrade-zertifiziert ist. Das wollen wir mit kommenden Aktionen dringend ändern«, verspricht Nastasja Kowalewski, die Teil des neuen Vorstandes der Projektgruppe ist. Mit dem Siegel Fairtrade-Uni allein ist die Arbeit für mehr Kon­sum­bewusstsein also lange noch nicht abgeschlossen. »Man braucht vor allem eine engagierte Gruppe hinter dem Siegel, die gewillt ist, das Thema voranzutreiben«, sagt Eichstädt.

Die Fairtrade-Zertifizierung ist also kein Selbstzweck. Wie Diana Schlegel vom Verein TransFair bereits 2015 der Süddeutschen Zeitung sagte, soll die Zertifizierung erst der Startschuss zu eigenem Engagement sein. Wer sich auf der Verleihung ausruht, wird sich schnell dem Vorwurf des Siegelsammelns zu PR-Zwecken ausgesetzt sehen. Es braucht auch danach viel Einsatz, um das Thema weiterhin in der Öffentlichkeit zu halten. Das Studentenwerk Halle verkauft schon jetzt ausschließlich fair gehandelten Kaffee. Sollten mehr Anbieter diesem Beispiel folgen, ist der globalen Gerechtigkeit vielleicht mehr geholfen als durch ein schwarz-grün-blaues Emblem, das sich die Uni auf die Fahnen schreiben kann.

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